Menschen werden in diesem System immer überflüssiger

Philipp Blom im Gespräch mit André Hatting | Deutschlandradio Kultur

Nationalismus ist keine passende Antwort auf die Globalisierung, sagt der Historiker Philipp Blom. Allerdings ist die gegenwärtige Form der Globalisierung auch keine Lösung. Anstatt sich der globalen Probleme anzunehmen, gehe es nur um das Anhäufen von Kapital.

Das Unbehagen vieler Menschen im Zeitalter der Globalisierung sei in vierlei Hinsicht berechtigt, meint der Historiker Philipp Blom.

“Wenn Sie sich ansehen, wie sich die linken Parteien in Europa verändert haben mit dem Kollaps der Arbeiterklasse, als die Fabriken und Bergwerke zumachten”, sagte Blom im Deutschlandradio Kultur. “Da sind viele Menschen, die früher mal Mitglied einer Arbeiterklasse waren und heute irgendwie im Prekariat leben und Supermarktregale füllen, die auch tatsächlich alleingelassen wurden von der Politik.”

Eine Globalisierung im Dienst des Menschen
Die gegenwärtige Form der Globalisierung sei keine Lösung, sondern schaffe gravierende gesellschaftliche Ungleichheiten, meinte der Historiker. Bei dieser Globalisierung gehe es nur darum, Kapital anzuhäufen. “Menschen werden in diesem System immer überflüssiger. Das ist die Globalisierung, die Teil des Problems ist.”

Insofern gehe es darum, Globalisierung zu verändern: hin zu einer Weltgemeinschaft, die sich gemeinsam Fragen wie Klima, Terrorismus und Massenmigration annehme. Denn für diese Probleme gebe es keine nationalen, nur globale Lösungen – wenn überhaupt:

“Wir glauben, jedes Problem hat eine Lösung. Aber vielleicht ist die Welt keine Matheaufgabe, wo man ein Ist-Zeichen und rechts die richtige Zahl eintragen muss, wenn man die richtigen Formeln verwendet hat. Vielleicht gibt es einfach Situationen, die tragisch und problematisch sind und bleiben und die nicht EINE Lösung haben.”

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