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Let Me Tell You a Story

Eine Veranstaltung der Sigmund Freud Privatstiftung in Kooperation mit der Gesellschaft der Ärzte in Wien anlässlich des Geburtstages von Sigmund Freud am 6. Mai 2018

Geschichten prägen unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere innersten Regungen. Durch sie werden wir Teil einer bestimmten Familie, einer Kultur, einer sozialen Klasse, einer Generation – durch sie erst werden wir zu dem, was uns ausmacht. Tatsächlich scheinen menschliche Wesen ein starkes Verlangen nach zukunftsgerichtetem Sinn, nach einer Handlung mit Anfang, Mitte und Ende, zu haben. Wir alle sind ständig versucht, all jenen Dingen, die rund um uns und mit uns passieren, eine Bedeutung zu geben. Wir brauchen Geschichten, um der Zufälligkeit von Erfahrung Sinn zu verleihen.

Wie aber ist unsere Beziehung zu diesen uns formenden Geschichten und zu unserem Verlangen nach ihnen? In meiner Sigmund Freud Vorlesung möchte ich die Bedeutungen des Geschichten-Erzählens angesichts der gegenwärtigen Krise der Sprache und der sachlichen Berichterstattung aus der Perspektive des Historikers und professionellen Geschichtenerzählers erkunden, zu dessen Aufgaben es zählt, aus Fakten Bedeutung zu gewinnen. In Begleitung von Denis Diderot und Sigmund Freud werde ich untersuchen, wie ein Leben mit unserem Verlangen nach dem Kontrafaktischen, der guten Mär, der fesselnden Geschichte und der ständigen Versuchung, unseren Unglauben außer Kraft zu setzen, möglich ist. Schließlich ist die Macht von Geschichten höchst ambivalent.
(Philipp Blom, 2018)

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